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Börsencrash Festival I – 2006
09.09.2006 – Die Börse/ Wuppertal
Chinchilla I Jaded Heart I
Powerwolf I The Mystery I Custard I Sencirow
Ein Abend voller Power!!! Zwar ist das erste
BÖRSENCRASH Festival nicht unbedingt mit einem Zuschauerstrom gesegnet, dafür
aber umso mehr mit Qualität. Das Power Metal Urgestein CHINCHILLA krönt das
Nachfolge-Festival des UNITED METALHEADS FESTIVALS aus dem Vorjahr und auch der
Rest der Bands ist nicht zu verachten. Da das ganze Packet sehr viel versprochen
hat, haben wir uns entschlossen, den weiten Weg nach Wuppertal anzutreten, um
live dabei zu sein. Somit geht es bereits um elf Uhr morgens los auf die
Autobahn, die wir dann ohne Hindernis um halb drei schon verlassen. Mist! Nun
heißt es die Zeit bis 17Uhr tot zu schlagen, denn erst dann werden sich die
Türen der Börse für uns Metalheadz öffnen. Doch endlich ist es soweit und wir
werden von Veranstalter Mario Decher höchstpersönlich an der Kasse abgeholt und
durch die Flure der Börse geführt. Er zeigt uns, wo wir was finden und selbst
einen extra Presseraum hat man eingerichtet, damit Interviews und sonstige
Schandtaten ungestört durchgeführt werden können. So eine pressefreundliche
Atmosphäre erlebt man höchst selten. Auf den ersten Blick wirkt alles sehr gut
durchorganisiert und die Atmosphäre sehr familiär. Wir werden sehen, ob das so
bleibt. Bereits auf dem RockHard Festival in diesem Jahr hatten wir die Ehre, Guido Brieke und seine Mannen von CUSTARD live zu erleben. Bei eben genanntem Festival gab Guido sich ja etwas tollpatschig und man darf gespannt sein, ob das heute anders wird. Nein, wird es nicht. Er fliegt zwar nicht ganz so schwungvoll auf die Schnauze, aber die langen Kabel an seinem Mikro machen ihm doch das ein oder andere Mal zu schaffen. Doch damit nicht genug. Ihr Backdrop haben sie beim gestrigen Auftritt in Innenstadt liegen lassen und so ganz frisch sehen die Jungs auch noch nicht aus. Aber egal. Die Ruhrpottler lassen deswegen aber auch heute nichts anbrennen und mit ihren lustigen Sprüchen, die sie mit im Gepäck haben, kommen sie auch noch wahnsinnig sympathisch rüber. Guido und seine vier Mitstreiter starten mit „Inner Void“ und die Stimmung im kleinen Publikum könnte man schon fast als frenetisch bezeichnen. Zwar trifft Guido hier nicht jeden Ton (ob es wohl an der gestrigen „Aftershow“ liegt??? ), die falschen Töne werden aber dank der Fans gekonnt übersungen. Egal ob Schreihals Guido, die beiden Axtmänner Holger und der "Neue" Oskar, Langsaiter Jens, aber auch Schießbudenherr Chris Klapper mobilisieren all ihre Reserven um das Börsencrash-Publikum nicht zu enttäuschen. Die beiden Titeltracks „Wheels Of Time“ und „For My King“ sind neben dem legendären „I Know You“ die Kracher des heutigen Gigs. Am Ende wird ihnen ein entsprechender Applaus zuteil bei dem Fans und Band lachend auseinander gehen. Ein bisschen chaotisch, aber hörenswert!!! Wieder eine Band, die von Mario Decher „verwaltet“ wird: THE MYSTERY!!! Schon jetzt hat die Band einen Vorteil, den die restlichen Bands nicht mehr einholen können. Warum? THE MYSTERY ist die einzige Band des Abends, die mit Denise Olbrich eine weibliche Sängerin am Start hat. Diese singt aber nicht etwas nur ein paar nette Backvocals oder Refrains, sondern übernimmt ganz und gar die Alleinherrschaft über das Mikro. Respekt! Live haben wir diese Band zuvor noch nie erleben dürfen, daher sind wir heute natürlich umso gespannter. Melodic „Power“ Metal mit eingängigen Riffs und schönen Melodien ist es, was nun aus der PA zu uns in den Zuschauerraum dringt. Denise agiert bereits ab dem ersten Song „Vengeance Is Mine“ super powervoll auf der Bühne und hat Charisma für zwei, aber ihre Töne trifft sie leider nicht immer. Das ist den Meisten aber mal so ziemlich egal, die Bühnenshow der Heiligenhäuser (schreibt man das so?? ) ist nämlich das, was man von einer Liveband erwartet: Geil!!! Denise jumpt auf den Brettern umher und untermalt Songs wie „1.000.000 Light Years Away“, „Facing The Storm“ und „My Heart Lies Bleeding“ durch Mimik und Gestik. Auch das Publikum geht mit der Band mit und reckt eifrig Pommesgabeln in die Luft, lässt Matten kreisen oder man springt einfach mal begeistert in die Luft – man sieht fast alles einmal. Der Schweiß fließt und die Meisten dürstet es sehr und somit ist der Andrang auf die Bar nach dem letzten Song „Revenge“ nur allzu verständlich. „Viele Danke schön“!!! Das hören wir doch immer wieder gern von dem rumänischen Frontman der nächsten Band. Denn hier erwarten uns als nächstes die Wölfe von POWERWOLF!!! Man kann sie fast noch als Frischlinge im Metal-Zirkus bezeichnen und dennoch spielen sie routiniert und bestens eingespielt ihre Gigs. Bereits auf dem Bang-Your-Head Festival konnten sie Power Metal Fans in absolute Begeisterungsstürme versetzen und auch am heutigen Abend wird es mit Sicherheit nicht anders aussehen. Gegen halb zehn betreten die vampirischen Wölfe mit bleich geschminkten Gesichtern, rot umrandeten Augen und schwarzen Anzügen die Bühne, um Transsilvanien vor den beiden eigenen Bühnenwänden aufleben zu lassen. Ventilatoren vor den beiden Gitarristen lassen deren Haare gespenstisch fliegen und Attila Dorn kommt stilecht noch zusätzlich mit blutrotem Umhang. Herrlich!!! Der ausgebildete Opernsänger und seine multikulti Truppe haben ihr Debüt „Return In Bloodred“ eingepackt und starten die Geisterstunde mit „Mr Sinister“, bevor sie danach „We Came To Take Your Souls“ zum Besten geben. Mittlerweile sind auch ein paar mehr Leutchen dazu gekommen, die alle begeistert mit den Wölfen feiern. Es wird zu „Demons And Diamonds“ oder „The Evil Made Me Do It“ gebangt und die Texte werden lautstark mitgesungen. Fast schon ein kleines, aber feines Bilderbuchpublikum. Die Saitenhexer Matthew und Charles Greywolf ziehen wilde Fratzen und posen mit dem Publikum. Doch damit nicht genug. Lautes Babygeschrei klingt aus den Boxen und POWERWOLF Fans wissen, Attila hat ein Baby mitgebracht und dessen Namen lautet: „Montecore“!!! Die Wölfe liefern eine absolut überzeugende Show und machen damit Lust auf ….MEHR!!!! Ein wahrlich leichtes Spielt hat der wohl heimliche Headliner des Abends. Die deutsch-schwedische Formation JADED HEART wird die wohl am meisten befeierte Band des Abends werden. Dies liegt mit Sicherheit auch daran, dass sich einige beinharte Fans in der Wuppertaler Börse eingefunden haben, um Johan Fahlberg und Co ordentlich Tribut zu zollen. Den haben sie für heute Abend aber auch redlich verdient. Johan strahlt von einem Ohr zum anderen und ist wie ein Gummiball auf der kleinen Stage unterwegs. Dazu kommen seine ausgesprochenen Entertainerqualitäten und natürlich eine super Stimme. Jedoch auch der Rest von JADED HEART schließt sich nadlos in die Bühnenshow ein, sei es Basser Michael „Mülli“ Müller oder Gitarrist Peter Östros – alle posen für das Publikum und lachen mit ihm. Spitze!! Daher werden wohl auch die eigenen Songs frenetisch mitgesungen und nicht nur das Anastasia Cover „I Paid My Dues“, dass aus dem Munde von Johan „Alter Schwede“ (so nennt er sich selbst, als er sich vorstellt…) Fahlberg unserer Meinung nach doch etwas schräg klingt. Aber das ist den Bandanhängern wahrscheinlich ziemlich egal und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Eigentlich bieten JADED HEART alles, was man sich von einer guten Melodic-Hardrock Band erhofft. Tolle Songs mit griffigen Hooklines, Ohrwurmträchtigen Melodien die einen noch tagelang später verfolgen, und bei aller Melodie und Emotionalität kommen aber niemals Zweifel auf, sich auf einem echten Rockkonzert zu befinden. Genauso wenig fehlt eine gelungene Balance von Perfektionismus und Spontaneität. Nun wollen wir aber noch einen Mann erwähnen, der meistens in den Hintergrund treten muss: Keyboarder und Backvocalist Henning „Wanna“ Wanner!!! Er untermalt das Ganze mit viel Gefühl und er spielt schon fast wie in Extasse!! Ein echter Hingucker!!! Das ist nun ein bisschen Glamrock an diesem Abend!!! Back to the 80ies!!! Mit etwas Verspätung ist es um halb eines Zeit für den Headliner des ersten Börsencrash Festivals. Die süddeutschen Burschen von CHINCHILLA haben sich diesen Posten geangelt und zeigen was in ihnen steckt. Leider kommt es wohl eher selten vor, dass beim Headliner weniger Leute vor der Bühne stehen als beim Opener. Doch genau dies tritt am heutigen Abend ein. Woran es liegt, kann man an dieser Stelle gar nicht so genau sagen. Der Einsatz der Truppe hätte aber auf jeden Fall mehr Interesse des Publikums verdient. Insbesondere die richtig melodischen Stücke wie „Father Forgive Me“ oder aber auch das KISS-Cover „I Stole Your Soul“ sind richtige Rockdiamanten und kommen live richtig gut rüber. Die erste Reihe wird von echten Fans dominiert, die mit ihren Vorbildern um die Wette singen und schon auch mal die Matte durch die Lüfte fliegen lassen. Ansonsten haben wir es seitens des Publikums hier eher mit der Kopfnicker-Fraktion zu tun. In der Mitte des Sets gibt es das obligatorische Drumsolo, dass unserer Meinung nicht immer unbedingt Platz im Set finden muss. Thomas Laasch ist neben einem ausgezeichneten Sänger auch ein sehr charismatischer Fronter und als er nach dem Drumsolo den Song „The Almighty Power“ anstimmt, kommt sogar etwas mehr Schwung in den lahmen Haufen vor der Bühne. Diesen Song kennt dann eben doch jeder!!! Doch jeder Auftritt findet mal ein Ende und somit ist nach dem Song „Demons We Call“ Schluss für heute. Erdiger Metal, dem man ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit hätte widmen können!!!
Damit ist dann auch das erste Börsencrash
Festival vorbei und man verlässt gut gelaunt die Börse. Leider haben nur gut
300 Metalfreaks den Weg nach Wuppertal gefunden, aber das ist doch mit
Sicherheit noch ausbaufähig oder? Wir hoffen nämlich, dass es nicht das
erste und letzte Börsencrash-Festival in diesem Jahr war. Somit machen auch
wir uns wieder auf in die Heimat und sagen: Metal Rulez!!!!
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